7 Deep Rest

Wie unterscheidet sich Deep Rest von Achtsamkeitsmeditation?Zwei Zugänge zum gegenwärtigen Erleben

Dipl. Hyp. D. Herrmann3 Min. Lesezeit

Achtsamkeit und tiefes Ruhen: Was haben die Ansätze gemeinsam?

Wer sich mit Meditation beschäftigt, begegnet unterschiedlichen Begriffen und Methoden. Achtsamkeitsmeditation, Atemmeditation, Body Scan, Yoga Nidra und Deep Rest verfolgen nicht in jeder Hinsicht dieselben Schwerpunkte.

Manche Übungen lenken die Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem. Andere beziehen Körperempfindungen, Gedanken oder Gefühle ein. Wieder andere arbeiten mit angeleiteten Vorstellungen oder einer besonderen Form des Ruhens.

Da liegt die Frage nahe: Worin unterscheidet sich Deep Rest von Achtsamkeitsmeditation?

Um das zu verstehen, lohnt es sich, nicht nur auf die äußere Form einer Übung zu schauen. Auch die innere Ausrichtung ist entscheidend.

Achtsamkeitsmeditation: Wahrnehmen, was gerade geschieht

Achtsamkeitsmeditation umfasst unterschiedliche Praktiken. Häufig geht es darum, die Aufmerksamkeit bewusst auf gegenwärtige Erfahrungen zu richten und diese möglichst offen wahrzunehmen.

Ein Beispiel ist die Atemmeditation. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf den Atem und bemerken, wenn Gedanken uns davon wegführen. Dann kehren wir zum Atem zurück.

Dabei kann eine Fähigkeit eingeübt werden: Wir lernen, wahrzunehmen, wohin unsere Aufmerksamkeit geht, und sie wieder auszurichten.

Andere Achtsamkeitsübungen setzen andere Schwerpunkte. Deshalb wäre es zu einfach, sämtliche Formen der Achtsamkeitsmeditation auf eine einzige Methode zu reduzieren.

Gemeinsam ist vielen dieser Praktiken jedoch die bewusste Hinwendung zum gegenwärtigen Erleben.

Deep Rest: Der Schwerpunkt liegt auf dem Ruhen

Auch bei Deep Rest kann die Aufmerksamkeit dem gegenwärtigen Erleben zugewandt sein. Der besondere Akzent liegt jedoch auf dem bewussten, mühelosen Ruhen.

Es geht weniger darum, eine bestimmte Fähigkeit möglichst gut auszuführen, als darum, einen Zugang kennenzulernen, bei dem nichts erreicht oder verändert werden muss.

Das bedeutet nicht, dass bei Deep Rest keine Aufmerksamkeit erforderlich wäre. Die Anleitung kann die Aufmerksamkeit durchaus auf bestimmte Erfahrungen lenken.

Entscheidend ist vielmehr, welche Haltung dabei im Mittelpunkt steht.

Bei einer Übung, die auf das bewusste Ausrichten der Aufmerksamkeit zielt, kann das Zurückkehren zum gewählten Fokus ein wesentlicher Bestandteil der Praxis sein. Bei Deep Rest steht stärker die Möglichkeit im Vordergrund, sich dem Ruhen zuzuwenden, ohne daraus eine weitere Leistung zu machen.

Zwei unterschiedliche Akzente statt eines Wettbewerbs

Vielleicht lässt sich der Unterschied am besten an einer Alltagserfahrung verdeutlichen.

Stell dir vor, du sitzt für einige Minuten ruhig da und bemerkst, dass deine Gedanken immer wieder zu den Aufgaben des Tages wandern.

In einer Atemmeditation könnte die Einladung lauten, den Atem erneut wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit wieder dorthin zurückzuführen.

Bei Deep Rest könnte der Schwerpunkt stärker darauf liegen, dass du auch mit diesen Gedanken ruhen darfst und nicht erst einen Zustand vollkommener Gedankenruhe herstellen musst.

Das sind unterschiedliche Akzente. In der tatsächlichen Praxis können sich die Erfahrungen durchaus überschneiden.

Keine dieser Möglichkeiten ist grundsätzlich überlegen. Welche besser passt, hängt unter anderem davon ab, was du suchst, welche Erfahrungen du mitbringst und wie du dich mit der jeweiligen Anleitung fühlst.

Welche Praxis passt zu mir?

Vielleicht schätzt du eine klare Ausrichtung deiner Aufmerksamkeit. Dann kann eine entsprechende Achtsamkeitsübung gut zu dir passen.

Vielleicht erlebst du es dagegen als anstrengend, dich während einer Meditation fortwährend zu konzentrieren oder deine Aufmerksamkeit bewusst auszurichten. Dann könnte es interessant sein, Deep Rest kennenzulernen.

Du musst dich dabei nicht endgültig für einen Ansatz entscheiden.

Unterschiedliche Praktiken können sich ergänzen. Es ist auch möglich, dass du zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Bedürfnisse hast.

Wichtig ist, die Unterschiede verständlich zu machen, ohne eine Methode abzuwerten oder einer anderen unbelegte Wirkungen zuzuschreiben.

Deep Rest als Einladung zum mühelosen Ruhen

Der Kern von Deep Rest liegt in der Möglichkeit, eine Pause vom ständigen Erreichen, Kontrollieren und Verändern kennenzulernen.

Das bedeutet nicht, dass wir unsere Aufmerksamkeit überhaupt nicht mehr einsetzen. Es bedeutet auch nicht, dass wir jede Erfahrung passiv hinnehmen müssen.

Vielmehr dürfen wir entdecken, dass bewusstes Ruhen nicht zwangsläufig zu einer weiteren Aufgabe werden muss.

Vielleicht ist genau dieser Akzent für dich interessant. Dann kannst du Deep Rest ausprobieren und selbst erkunden, ob dir dieser Zugang zum gegenwärtigen Erleben entspricht.

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