7 Deep Rest

Wie komme ich innerlich zur Ruhe?Ein anderer Weg aus der ständigen Selbstoptimierung

Dipl. Hyp. D. Herrmann3 Min. Lesezeit

Die Sehnsucht nach Ruhe und der Versuch, sie herzustellen

Es ist ein merkwürdiger Widerspruch: Wir sehnen uns nach innerer Ruhe und bemühen uns manchmal so angestrengt darum, dass daraus eine neue Form von Unruhe entsteht.

Wir möchten gelassener werden, beobachten unsere Gedanken und prüfen, ob wir schon entspannter sind. Wir versuchen, den Atem zu beruhigen, die Anspannung zu lösen und möglichst schnell in einen angenehmen Zustand zu gelangen.

Und während wir all das tun, gibt es eine innere Stimme, die fragt: Warum klappt das immer noch nicht?

Vielleicht ist es hilfreich, für einen Moment innezuhalten. Nicht, um eine besonders gute Übung daraus zu machen. Sondern um zu bemerken, wie viel wir manchmal selbst in die Suche nach Ruhe hineintragen.

Vielleicht muss Ruhe nicht hergestellt werden

Wir sind es gewohnt, Veränderungen durch unser Handeln zu bewirken. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach einer Lösung. Wenn wir ein Ziel erreichen möchten, entwickeln wir einen Plan.

Diese Fähigkeiten sind wertvoll. Sie helfen uns, unser Leben zu gestalten.

Doch nicht jede Erfahrung lässt sich auf dieselbe Weise herstellen. Nähe lässt sich beispielsweise nicht erzwingen, und Schlaf wird häufig schwieriger, wenn wir ihn unbedingt herbeiführen wollen.

Auch innere Ruhe kann zu einem widerspenstigen Ziel werden, wenn wir sie fortwährend kontrollieren.

Vielleicht könnte deshalb eine andere Frage hilfreich sein: Was wäre, wenn ich nicht sofort etwas verändern müsste, um mich diesem Moment zuzuwenden?

Das bedeutet nicht, dass wir alles hinnehmen müssen. Es bedeutet, dass wir zwischen dem Wahrnehmen einer Erfahrung und dem Versuch, sie sofort zu verändern, einen kleinen Spielraum entdecken können.

Unterschiedliche innere Seiten dürfen da sein

Vielleicht gibt es eine Seite in dir, die sich nach Ruhe sehnt. Sie möchte einfach einmal nicht funktionieren müssen.

Eine andere Seite ist möglicherweise wachsam. Sie möchte sicherstellen, dass nichts übersehen wird. Und vielleicht gibt es eine weitere Seite, die ungeduldig darauf wartet, dass es endlich besser wird.

Diese inneren Bewegungen müssen nicht als Widerspruch verstanden werden, den wir möglichst schnell auflösen sollten.

Die Sehnsucht nach Ruhe ist verständlich. Die Wachsamkeit kann ebenfalls nachvollziehbar sein. Und auch die Ungeduld möchte möglicherweise nur verhindern, dass wir in einem unangenehmen Zustand feststecken.

Vielleicht verändert sich etwas, wenn wir nicht mehr versuchen, eine dieser Seiten zum Schweigen zu bringen.

Wir könnten der wachsameren Seite zugestehen, dass sie uns unterstützen möchte. Zugleich könnten wir ihr ermöglichen, für einen Augenblick nicht jede Einzelheit überprüfen zu müssen.

Nicht durch einen Befehl. Sondern indem wir eine andere Erfahrung kennenlernen.

Deep Rest: Ruhe als Möglichkeit statt als Leistung

Bei Deep Rest steht nicht im Mittelpunkt, einen idealen Zustand zu erreichen. Es geht darum, einen Zugang zum bewussten Ruhen zu entdecken, der weniger von Kontrolle und Anstrengung bestimmt ist.

Vielleicht darf ein Gedanke auftauchen, ohne dass wir ihn sofort bearbeiten. Vielleicht darf eine Anspannung wahrnehmbar sein, ohne dass wir sie unverzüglich beseitigen müssen. Vielleicht muss sich auch das Gefühl, noch nicht richtig zur Ruhe gekommen zu sein, nicht sofort verändern.

Wir müssen aus dem gegenwärtigen Moment kein Projekt machen.

Das kann ungewohnt sein, besonders wenn wir gelernt haben, dass gute Ergebnisse vor allem durch Anstrengung entstehen. Doch nicht jede hilfreiche Erfahrung verlangt dieselbe Art von Einsatz.

Manchmal braucht es einen klaren Entschluss. Manchmal eine praktische Handlung. Und manchmal kann es hilfreich sein, die Aufmerksamkeit nicht weiter auf das zu richten, was noch fehlt, sondern auch wahrzunehmen, was bereits da ist.

Innere Ruhe darf in kleinen Momenten beginnen

Vielleicht zeigt sich Ruhe zunächst nur darin, dass wir einen Gedanken weniger ausführlich verfolgen. Oder darin, dass wir für einen Augenblick nicht prüfen, ob wir schon entspannt genug sind.

Vielleicht ist es ein kurzer Moment, in dem wir nichts erklären, nichts verbessern und nichts erreichen müssen.

Solche Augenblicke müssen nicht großartig sein. Sie müssen auch nicht jeden Tag gleich aussehen.

Deep Rest lädt dazu ein, diese Möglichkeit kennenzulernen: nicht als neue Methode zur Selbstoptimierung, sondern als eine Pause von dem ständigen Anspruch, aus uns und unserem Erleben etwas machen zu müssen.

Und vielleicht ist genau das eine interessante Entdeckung: Wir können uns um unser Leben kümmern, ohne jeden Augenblick zu einer Aufgabe zu machen.

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