Warum fällt mir Nichtstun so schwer?Wenn sogar die Pause einen Zweck erfüllen soll

Der freie Nachmittag, der plötzlich eine To-do-Liste bekommt
Eigentlich wolltest du heute einmal nichts machen.
Doch dann fällt dir auf, dass die Pflanzen Wasser brauchen. Die Küche könnte aufgeräumt werden. Eine Nachricht wartet noch auf eine Antwort. Und wenn du schon Zeit hast, könntest du dich eigentlich auch um die Sache kümmern, die du seit Wochen vor dir herschiebst.
Am Ende warst du wieder erstaunlich beschäftigt.
Vielleicht kennst du diese Erfahrung. Kaum entsteht ein freier Raum, findet sich etwas, mit dem er gefüllt werden kann. Manchmal ist es eine notwendige Aufgabe. Manchmal einfach die Gewohnheit, freie Zeit nicht lange frei zu lassen.
Und manchmal sitzt du tatsächlich da und tust nichts – während du dich innerlich dafür rechtfertigst.
Beschäftigtsein kann sich vertraut und sicher anfühlen
Wir lernen im Laufe unseres Lebens, welche Verhaltensweisen Anerkennung finden. Zuverlässigkeit, Fleiß und Verantwortungsbewusstsein gelten aus guten Gründen als wichtige Eigenschaften.
Vielleicht haben wir erfahren, dass es angenehm ist, gebraucht zu werden. Vielleicht gibt uns das Erledigen von Aufgaben das Gefühl, den Überblick zu behalten. Vielleicht verbinden wir Untätigkeit mit dem Risiko, etwas zu verpassen oder andere zu enttäuschen.
Dann ist es nachvollziehbar, dass eine Pause nicht immer sofort angenehm wirkt.
Eine Seite in uns möchte ruhen. Eine andere möchte sicherstellen, dass alles in Ordnung bleibt. Und vielleicht gibt es noch eine Seite, die uns daran erinnert, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten.
Wenn wir diese inneren Impulse nur als Hindernisse betrachten, übersehen wir leicht ihre ursprüngliche Funktion.
Es könnte hilfreicher sein, zu verstehen, dass Beschäftigung nicht nur Arbeit bedeutet. Sie kann auch Struktur, Orientierung und das Gefühl vermitteln, etwas im Griff zu haben.
Die Frage ist deshalb nicht unbedingt, wie wir diese Seite loswerden. Vielleicht geht es eher darum, ob sie wirklich jeden freien Moment gestalten muss.
Muss freie Zeit nützlich sein?
Wir können erstaunlich kreativ werden, wenn es darum geht, einer Pause einen Sinn zu geben.
Wir ruhen, um produktiver zu werden. Wir meditieren, um leistungsfähiger zu sein. Wir gehen spazieren, um unsere Gedanken zu sortieren. Selbst das Nichtstun bekommt einen Auftrag.
Natürlich ist daran nichts grundsätzlich falsch. Es kann hilfreich sein, sich zu bewegen, zu meditieren oder bewusst Pausen einzuplanen.
Doch was geschieht, wenn wir uns selbst dann nicht erlauben, einfach da zu sein, wenn gerade nichts verbessert werden muss?
Vielleicht entsteht eine neue Möglichkeit, wenn wir die Frage nach dem Nutzen für einen Moment beiseitelassen.
Nicht jede Minute muss sich rechnen. Nicht jede Erfahrung muss uns weiterbringen. Und nicht jede Pause muss am Ende zu einem sichtbaren Ergebnis führen.
Das kann sich zunächst ungewohnt anfühlen. Schließlich haben wir möglicherweise lange geübt, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.
Doch auch die Erfahrung, nichts leisten zu müssen, darf einen Platz in unserem Leben bekommen.
Deep Rest: Eine Pause von der Notwendigkeit, etwas zu erreichen
Deep Rest lädt dazu ein, das Ruhen nicht als Wettbewerb zu verstehen. Es gibt keinen Maßstab, an dem wir messen müssten, wie gut wir gerade nichts tun.
Wir müssen nicht besonders ruhig sein. Wir müssen auch nicht beweisen, dass wir uns ausreichend entspannt haben.
Stattdessen dürfen wir eine Erfahrung kennenlernen, in der wir uns dem gegenwärtigen Moment zuwenden, ohne sofort etwas aus ihm machen zu müssen.
Vielleicht bemerken wir dabei, dass der Wunsch nach Beschäftigung weiterhin vorhanden ist. Auch das darf zunächst so sein.
Eine Seite in uns kann sich nach einer Aufgabe sehnen, während wir uns zugleich dem Ruhen zuwenden. Wir müssen nicht warten, bis sämtliche inneren Impulse verschwunden sind.
Die Pause braucht keine Rechtfertigung
Vielleicht ist das eine der befreienden Möglichkeiten des tiefen Ruhens: Wir müssen nicht erst besonders viel geleistet haben, um eine Pause zu verdienen.
Wir dürfen ruhen, weil wir Menschen sind und nicht ausschließlich aus unseren Aufgaben bestehen.
Die Dinge, um die wir uns kümmern, werden weiterhin wichtig sein. Unsere Beziehungen, Verpflichtungen und Vorhaben verschwinden nicht, wenn wir für einen Moment nichts tun.
Doch unser Leben darf auch aus Augenblicken bestehen, die keinen weiteren Zweck erfüllen müssen.
Vielleicht ist es anfangs nur ein kurzer Moment. Vielleicht bleibt der Impuls, noch schnell etwas zu erledigen. Auch das muss nicht zu einem neuen Problem werden.
Es reicht zunächst, die Möglichkeit kennenzulernen, dass eine Pause tatsächlich eine Pause sein darf.
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