Wie kann ich ohne Anstrengung entspannen?Wenn der Wunsch nach Ruhe zusätzlichen Druck erzeugt

„Entspann dich doch einfach“ – leichter gesagt als erlebt
Es gibt Ratschläge, die klingen ausgesprochen vernünftig. Entspann dich. Lass los. Denk nicht so viel nach. Mach dir nicht so viele Gedanken.
Und manchmal möchte man antworten: Danke, auf diese Idee bin ich tatsächlich noch nicht gekommen.
Das Problem liegt häufig nicht darin, dass wir Entspannung unwichtig finden. Im Gegenteil. Wir wünschen sie uns so sehr, dass wir uns mitunter große Mühe geben, sie herzustellen.
Wir suchen die richtige Methode, die passende Musik, die geeignete Atemtechnik. Wir setzen uns hin und warten darauf, dass endlich das geschieht, weswegen wir uns hingesetzt haben.
Und dann prüfen wir, ob es funktioniert.
Wenn Entspannung zur nächsten Aufgabe wird
Vielleicht kennst du die innere Stimme, die auch bei einer Ruheübung aufmerksam bleibt. Sie möchte wissen, ob du richtig atmest, ob deine Muskeln schon lockerer werden und ob du dich ausreichend auf die Übung konzentrierst.
Diese Stimme muss nicht grundsätzlich störend sein. Sie möchte möglicherweise verhindern, dass du etwas falsch machst. Sie möchte sicherstellen, dass du die Zeit sinnvoll nutzt.
Nur entsteht dadurch eine eigentümliche Situation: Wir versuchen, uns zu entspannen, und kontrollieren gleichzeitig, ob wir uns entspannen.
Vielleicht ist es hilfreich, diesen Vorgang nicht als persönliches Versagen zu betrachten. Er kann vielmehr zeigen, wie vertraut uns das Prinzip geworden ist, durch Aufmerksamkeit und Anstrengung etwas erreichen zu wollen.
Wir wenden eine Fähigkeit, die uns in vielen Lebensbereichen hilft, auf eine Erfahrung an, die sich nicht immer auf diese Weise herstellen lässt.
Muss ich etwas verändern, damit ich ruhen darf?
Vielleicht kann die Frage einmal anders gestellt werden.
Nicht: Wie schaffe ich es, mich endlich zu entspannen?
Sondern: Kann ich mir erlauben, für einen Moment da zu sein, ohne sofort etwas verändern zu müssen?
Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied. Doch er verändert die Richtung unserer Aufmerksamkeit.
Die erste Frage richtet den Blick auf ein gewünschtes Ergebnis, das noch nicht erreicht ist. Die zweite öffnet die Möglichkeit, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, ohne ihn sofort an einem Ideal zu messen.
Natürlich kann es angenehm sein, wenn sich der Körper entspannt oder Gedanken ruhiger werden. Aber vielleicht müssen diese Veränderungen nicht als Voraussetzung dienen.
Wir dürfen auch dann ruhen, wenn wir noch Anspannung wahrnehmen. Wir dürfen eine Pause erleben, während Gedanken auftauchen. Und wir müssen nicht jede unangenehme Empfindung sofort beseitigen, um uns dem Ruhen zuzuwenden.
Deep Rest: Nicht Entspannung produzieren, sondern Ruhen kennenlernen
Deep Rest setzt einen anderen Akzent als die Vorstellung, Entspannung müsse durch besonders geschicktes Handeln hergestellt werden.
Im Mittelpunkt steht die Erfahrung, sich dem Ruhen zuzuwenden, ohne daraus eine weitere Leistung zu machen.
Dabei können unterschiedliche Erfahrungen auftauchen. Vielleicht wird etwas ruhiger. Vielleicht bleibt der Kopf zunächst beschäftigt. Vielleicht fällt es leicht, sich dem Moment zuzuwenden, und an einem anderen Tag ist es schwieriger.
Nichts davon muss zu einer Bewertung der eigenen Fähigkeit werden.
Es geht nicht darum, jede Erfahrung angenehm zu finden oder unangenehme Empfindungen zu ignorieren. Vielmehr entsteht die Möglichkeit, dem eigenen Erleben mit etwas weniger Forderung zu begegnen.
Wenn weniger Anstrengung bereits eine Veränderung ist
Vielleicht bemerkst du irgendwann, dass du nicht mehr jeden Gedanken verfolgen musst. Vielleicht fällt es dir leichter, eine Pause zu beginnen, ohne vorher sämtliche Aufgaben erledigt zu haben.
Und vielleicht bleibt auch einmal alles so, wie es gerade ist.
Auch dann musst du nicht automatisch etwas falsch gemacht haben.
Deep Rest lädt dazu ein, Ruhe nicht ausschließlich an einem bestimmten Gefühl festzumachen. Es geht um einen Zugang zum Ruhen, bei dem nicht jede Erfahrung verbessert werden muss.
Manchmal beginnt dieser Zugang mit einer einfachen Erlaubnis: Für diesen Augenblick muss ich nichts erreichen.
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